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Articles

“Bund” in der Vulgata aus rechtshistorischer Sicht
Christoph Becker, Prof. Dr. iur. utr.
Abstract
An vielen Stellen spricht die Bibel von einem Bund zwischen Gott und den Menschen. Die Vulgata verwendet für ihre lateinische Übersetzung der hebräischen und der griechischen Texte Worte wie pactum, foedus, testamentum. Diese Worte sind dem zeitgenössischen Vokabular des römischen Rechts entnommen. Sie drücken Verbindlichkeit und Verlässlichkeit der göttlichen Heilszusage aus.

Ist es erlaubt die Vulgata zu übersetzen?
Jutta Krispenz, Prof. Dr.
Abstract
Das Übersetzen eines Textes ist gleichzeitig eine Notwendigkeit und ein tiefes Eindringen in die zarte semantische Textur des Texts und dessen Wechselbeziehung mit einer bestimmten idealen und materiellen Welt. Die Bedeutung eines Textes kann jedoch nicht endgültig festgelegt werden. Dieser Artikel befasst sich mit der Kanonformel und versucht, ihre möglichen Bedeutungen auf der Grundlage verschiedener traditioneller Strömungen aus Mesopotamien und Ägypten zu entfalten. Die weithin akzeptierte intertextuelle Verbindung zwischen der Kanonformel und den assyrischen Vasallenverträgen unterstreicht das loyale Handeln im Einklang mit den (rechtlichen) Texten als dominierende Bedeutung der sogenannten Kanonformel. Parallelen zu ägyptischen Texten würden jedoch darüber hinaus auf die Notwendigkeit einer genauen Übermittlung als mögliche Lesart derselben Formel hinweisen. Die identische Reproduktion von Texten hat in den Kulturen des Antiken Nahen Ostens natürlich einen hohen Stellenwert. Loyalität und Identität scheinen die Hauptthemen im kanonischen Diskurs zu sein. Dies erklärt, warum es sinnvoll ist, sowohl auf die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Anpassung der Tradition an eine sich verändernde Welt als auch auf die Notwendigkeit einer Rückkehr zu einer abgelegenen und schwer verständlichen Tradition zu reagieren.

Vulgata in use, a lexical approach
Michael Fieger, Prof. Dr.
Abstract
Das Buch Jesaja hat eine besonders reiche Bildsprache, die für jede Übersetzung eine Herausforderung ist. In Vers Jesaja 7,14 der Denkschrift des Jesaja bezieht sich das hebräische Wort  alma auf die Bedeutung „junge Frau“, „Mädchen“ oder „Dienerin“. Hieronymus wählt in seiner Übersetzung das Wort virgo, die Jungfrau, obwohl das keine direkte Entsprechung des hebräischen Wortes ist, und obwohl die lateinische Sprache verschiedene andere Möglichkeiten kennt, dieser hebräischen Wortbedeutung zu entsprechen. Ein Blick in die Septuaginta und in das griechische Vokabular, das in diesem Fall vielfältig ist, macht diese Passage noch streitbarer, weit über den Bereich des Textes hinaus in die theologische Interpretation hinein.

Vulgata in use, an exegetual epproach
Brigitta Schmid Pfändler, Lic phil I, MTh
Abstract
Dieser Aufsatz befasst sich mit dem vierten Gottesknechtslied im Buch Jesaja (Jes 52,12 – 53,13), das trotz zahlreicher detaillierter exegetischer Interpretationen immer noch viele Fragen zum Text offen lässt. Mit Blick auf die dichte, poetische Sprache dieses Textes, rücken auch die Verben in ihren Erscheinungsformen und Bedeutungen in den Fokus. Über eine Analyse der beiden einführenden Verben in Jesaja 57,7, NGS und ʿNH, in verschiedenen Texttraditionen wird eine Beurteilung des Verhaltens und des Selbstverständnisses des Subjekts hinzugefügt.

Vulgata in use, intertextual references
Manuela Gächter, Sr., OP
Abstract
Bernhard von Clairvaux führt in seiner 23. Predigt zum Hohelied aus, wieso der König seine Braut in unterschiedliche Räume führt. Ausgangspunkt ist Hld 1,3vulg (1,4), wo sie sich rühmt, dass der König sie in die Vorratskammer geführt habe. Leser und Leserin mögen sich jetzt wundern: War es wirklich die Vorratskammer und nicht das Schlafgemach? Während das hebräische Wort heder ganz allgemein einen Raum innerhalb eines Hauses bezeichnet, wählte Hieronymus hier in seiner Übersetzung das tendenziell auf einen Keller hinweisende cellarium als lateinische Übersetzung. In diesem Beitrag werden verschiedene Lösungsansätze diskutiert, die erläutern wieso Hieronymus auf diese eher befremdliche Übersetzung gekommen sein könnte, zumal sogar die Vetus Latina das zu erwartende cubiculum verwendet.

Looking over Jerome’s shoulder
Andreas Beriger, Dr.
Abstract
Die Übersetzung der Bibel von Hieronymus, bekannt als die Vulgata, ist eine wörtliche Kopie eines hebräischen Originals, das jetzt verloren ist. Es gibt deutliche Unterschiede zwischen dem Textus receptus, der derzeit als zuverlässigste Quelle (BHS) gilt, und dem Text, den Hieronymus als Ausgangspunkt gewählt hat. In diesem Artikel möchte ich zeigen, wie man einen detaillierten Blick auf den hebräischen Text, der Hieronymus vorgelegen haben muss, werfen kann.

Review

Bis Luther kam sprach Gott Latein
Bernhard Lang, Prof. Dr. em.
Abstract
„Bis in die Reformationszeit wurde die Bibel auf Lateinisch gelesen, in der Übersetzung des Hieronymus. Dieser hat sogar Jesus ins Alte Testament geschmuggelt.“ Mit diesem einleitenden Satz wirft Lang einen frischen, eigenwilligen Blick in die fünf Bände der zweisprachigen Vulgata Tusculum deutsch, die im Herbst 2018 erschienen ist.